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Ausstellungsansichten: © Leonie Felle | Impressionen: talk&show 007, Eröffnungsabend am 28.03.2017
GHOST IN THE MACHINE. READING ROOM / MATERIALS selected by Carsten Nicolai
Kunst
28. März bis 07. Juni 2017
Federkiel Raum für Kunst, Bildung, Ökologie und Genuss

Carsten Nicolai | Künstler
Jörg van den Berg | Kurator

Impressionen | talk&show 007 | Eröffnungsabend am 28.03.2017

Die Erneuerung des menschlichen Abbildes durch die Maschine bleibt Utopie. Eine Traumvision, die nicht erst im digitalen Zeitalter entworfen wurde. „L’homme machine – Der Mensch eine Maschine“, gleicht einem Uhrwerk. Descartes und La Mettrie sind die zentralen Koordinaten eines mechanisch- naturwissenschaftlichen Denkens im Zuge des Aufklärungszeitalters. Das Uhrwerk als Symbol einer Weltanschauung: Vom Planetensystem bis zum Menschen glaubt man im Europa des 18. Jahrhunderts, alles mit den Prinzipien der Mechanik erklären zu können. Descartes reduziert den lebenden Organismus auf dessen Mechanik, betrachtet den menschlichen Körper als maschinenartiges System, als Synthese eines Apparats und einer „denkenden Sache“ („res cogitans“). Es schien möglich, das Lebendige und das Mechanische einander anzunähern. Die Zurschaustellung faszinierender Apparate, beweglicher Puppen oder Androiden galt als Auslöser einer regelrechten Automatenkultur. „Mechanische Ente“, „Sprechmaschine“ oder „Schach-Türke“: Prototypen einer (scheinbar) autarken Intelligenz. Auch im Jetzt und Heute: Das Bemühen, das Maschinelle in einem quasi-menschlichen Leib abzubilden, folgt wohl der Intention, das Befremden angesichts der Maschine zu verringern. Ein Trugschluss, hat doch diese Ver-körperung just den gegenteiligen Effekt – den des Unheimlichen. Das Wiedererkennen des (verdrängten) Eigenen im Fremden. Und die Erkenntnis, dass die Maschine letztlich ihre eigene Sprache spricht.

Die Maschine ist ein Apparat, der vom Menschen mit der Logik entworfen wird, spezielle Aufgaben auszuführen. Was dabei oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass komplexere Maschinensysteme ihr Eigenleben entwickeln. Dieses Eigenleben ist normalerweise nicht geplant oder mitentworfen. Die Ausstellung versteht sich als Lesesaal (reading room), konzipiert als eine Sammlung an Objekten, Aufnahmen, Büchern, Texten und Zitaten zum Thema „ghost in the machine“. Sie zeigt Prozesse der Selbstorganisation von ungeplanten, teils fehlerhaften Abläufen in der Maschine und spielt unumgänglich mit dem Terminus des Deus ex machina: die Maschine als Mittel der Täuschung, als Erzeuger unnatürlicher, also unmöglicher Effekte.

„The machines rose from the ashes of the nuclear fire. Their war to exterminate mankind had raged for decades, but the final battle would not be fought in the future. It would be fought here, in our present.
Tonight . . .“

We are ready. Are you?

Text by TM

GHOST IN THE MACHINE ist ein Projekt initiiert vom EIGEN + ART Lab, Berlin und wurde dort erstmals 2016 präsentiert.
Courtesy EIGEN + ART Lab, Berlin

AG GEIGE | BERENICE ABBOTT | WILLIAM BASINSKI | RICHARD BUCKMINSTER FULLER | ALESSANDRO CORTINI | WILLIAM CROOKES | ELPH VS COIL | ANNE-JAMES CHATON | DELIA DERBYSHIRE | JACOB EPSTEIN | ALFRED EISENSTAEDT | HEINZ VON FOERSTER | SIGMUND FREUD | MARK FELL | CARSTEN GEBHARDT | MARTIN L. GORE | GRÖNLUND-NISUNEN | CARL MICHAEL VON HAUSSWOLFF | PONTUS HULTÉN | E.T.A. HOFFMANN | RYOJI IKEDA | IMMANUEL KANT | FRIEDRICH KITTLER | GRISCHA LICHTENBERGER | GYÖRGY LIGETI | MERZBOW | CONLON NANCARROW | PANASONIC | NAM JUNE PAIK | FRANCIS PICABIA | MARKO PELJHAN | PAUL VAN REEUWIJK GERHARD RICHTER | WOLFRAM A. SCHEFFLER | KARLHEINZ STOCKHAUSEN | RYUICHI SAKAMOTO | NIKOLA TESLA | ALAN TURING | JACQUES DE VAUCANSON | LUDWIG WITTGENSTEIN | IANNIS XENAKIS | SIEGFRIED ZIELINSKI … ETC.

Termine:

talk&show 007 (Eröffnung): Dienstag, 28. März 2017, 19h
Ein Gespräch zwischen Carsten Nicolai und Jörg van den Berg

talk&show: Dienstag, 25. April 2017
Entfällt.

talk&show 008: Dienstag, 30. Mai 2017, 19h
Selbstbegrenzung vs. Selbstentgrenzung durch Technik Versuch eines angenehmen Austauschs von Daten und anderen Beziehungsweisen
mit Valentino Betz & Marvin Schuhmann (Public Possession)

Die beiden Gäste sind Gründer und Betreiber von ›Public Possession‹ – Musiklabel und Shop (physisch/online). Ausgangspunkt von ›Public Possession‹ war und ist die Vereinigung von Musik, Text, Design und Aktion. Als Grundlage für alle ihre Aktivitäten nennen die beiden die freie, aber präzise Datenkombination und den angenehmen Austausch. Beides scheint für Betz und Schuhmann gleich bedeutend für die Produktion von Neuigkeiten.

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